Junge Kammerbühne

Der Rückblick der Stücke, die wir auf der Jungen Kammerbühne gespielt haben.

24. Mai – 25. Mai 2014"Die kahle Sängerin"

Ein englisches Ehepaar, Mr. und Mrs. Smith, sitzen abends am Kaminfeuer.
Er raucht Pfeife und liest Zeitung, sie strickt Socken. Ihre Unterhaltung dreht sich um alltäglich-banale Dinge, um die Uhrzeit, Krankheiten, Mahlzeiten, Todesfälle. Mr. und Mrs. Martin kommen zu Besuch. Sie scheinen sich jedoch gar nicht zu kennen und stellen erst nach einer umständlichen 'logischen' Beweisführung fest, dass sie Mann und Frau sind, da sie in derselben Stadt, derselben Straße, demselben Haus, demselben Zimmer wohnen und in demselben Bett schlafen. Das Gespräch mit den Smiths dreht sich wieder um dieselben alltaglichen Banalitäten. Dann taucht ein Feuerwehrmann auf und fragt höflich, ob ein Feuer ausgebrochen sei, was die Smiths bedauernd verneinen. Aus den stupiden Witzen des Feuerwehrmanns entwickelt sich ein sinnloses Durcheinanderreden, das in ein Herausschreien von bloßen Konsonanten und Vokalen endet. Der Vorhang fällt - und geht wieder auf, dieses Mal über den Martins, die denselben Dialog wie zu Beginn die Smiths aufnehmen

Die Idee zu dem Stück kam Ionesco, als er Englisch nach der Assimil-Methode lernte, dazu deren bekanntes Lehrbuch L'anglais sans peine („Englisch ohne Mühe“) benutzte und sich über dessen tautologische Dialoge wunderte. Da wurde beispielsweise festgehalten, dass die Woche sieben Tage habe, dass der Fußboden unten, die Decke oben sei. Als die Lektionen anspruchsvoller wurden, tauchte ein Ehepaar auf, Mr. und Mrs. Smith, die sich gegenseitig darüber informierten, wie sie hießen, seit wann sie schon verheiratet waren, wie viele Kinder sie hatten, wo sie wohnten und dass sie ein Dienstmädchen namens Mary besaßen. Später stieß noch ein befreundetes zweites Ehepaar dazu, die Martins, mit denen man seine Erfahrungen austauschen und sich Weisheiten teilen konnte wie: „Auf dem Lande ist es ruhiger als in der Stadt.“

Ionesco übernahm die Namen der Figuren und viele ihrer Gemeinplätze und komponierte daraus ein Theaterstück, das die Klischees allmählich parodistischer werden und bis zum bloßen Gestammel entarten lässt. Zuerst wollte er seinem „Anti-Stück“ den Titel seines Lehrbuchs, L’anglais sans peine, geben, besann sich später jedoch und modifizierte ihn zu L’heure anglaise. Auch der Name Big Ben Follies stand vorübergehend zur Debatte. Als dann aber bei einer der Proben der Darsteller des Feuerwehrhauptmanns seinen Text vergessen hatte und statt institutrice blonde (blonde Dozentin) versehentlich cantatrice chauve (kahle Sängerin) sagte, war der endgültige Titel geboren – nicht obwohl er nur ein Versprecher war und nicht obwohl eine kahle Sängerin bis dahin an keiner Stelle des Stückes erwähnt wurde, sondern gerade weil er nur ein Versprecher war und somit einer der zentralen Intentionen Ionescos entsprach, der Darstellung alltäglicher Missverständnisse und Truismen.

Fast ebenso zufällig wie der Titel entstand auch der Schluss des Stückes. Ursprünglich sollten im Anschluss an den letzten Streit der beiden Ehepaare einige im Zuschauerraum platzierte Statisten mit Buh-Rufen und Protestgebrüll nach dem Theaterdirektor schreien, der dann mit mehreren bewaffneten Polizisten auftauchen würde, die das Publikum unter MG-Beschuss nehmen sollten, während der Direktor und der Polizeichef sich mit Handschlag beglückwünschten. Aber diese Lösung hätte zu viele zusätzliche Schauspieler verlangt und unnötige Mehrkosten verursacht. So schlug Ionesco eine billigere Version vor: Das Hausmädchen Mary sollte, sobald der Streit seinen Höhepunkt erreicht hatte, den Autor ankündigen, bei dessen Erscheinen die Schauspieler respektvoll zur Seite treten und klatschen sollten. Plötzlich würde dann der Autor an die Rampe treten und unvermittelt damit beginnen, das Publikum in groben Tönen zu beschimpfen. Wie Ionesco berichtet, wurde ein solcher Schluss jedoch als „zu polemisch“ verworfen. Endlich beschloss man daher, auf einen Schluss ganz zu verzichten und am Ende wieder mit dem Anfang zu beginnen. - Quelle: www.wikipedia.de

Vorstellungen „"Die kahle Sängerin"“

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Rollen

RolleDarstellende Person
Mr. SmithSteve Knobel
Mrs. SmithDorothee Fischer
Mr. MartinMarieke Josupeit / Sebastian Fink
Mrs. MartinMia Seemüller
FeuerwehrmannPaul Schmidt
Mary
(Dienstmädchen bei Mr. und Mrs. Smith)
Jana Keicher / Tabea Schmidtgall

Mitwirkende

AufgabePerson
RegieThomas Fritsche
BühnenbildThomas Fritsche
KostümeAntje Austel
MaskeDorothee Fischer
RequisiteStefan Reis
TechnikNick Sonnenberg
RegieassistenzMarieke Josupeit